Archiv der Kategorie 'Commons'

Veranstaltungstipps: 03.06. Gemeingüter in Mainz // 11.&12.06. Commons in Frankfurt

Ich habe eine überraschende Mail mit einem Veranstaltungshinweis bekommen, über die ich mich sehr gefreut habe! Zum einen, weil tatsächlich Menschen noch hier vorbei schauen, obwohl hier doch fast nix passiert (sehr zu meinem Bedauern). Zum anderen hatte ich noch nichts von der Studium Generale Reihe in Mainz mitbekommen, die sich dieses Semester der Evolution der Kooperation widmet. Da werde ich sicherlich immer mal vorbei schauen, wenn es sich einrichten lässt!
Kommenden Mittwoch geht’s um Gemeingüter und die alte Frage nach der Tragik der Allmende. Der Vortrag scheint sich schwerpunktmäßig mit institutionellen Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen.

Der Vortrag zeigt auf, dass sich die Widersprüchlichkeit beider Positionen nur dann (ansatzweise) auflösen lässt, wenn man das menschliche Verhalten in Interaktion mit bestehenden institutionellen Strukturen betrachtet. Unter bestimmten Bedingungen können institutionelle Randbedingungen Kooperationen in Gemeingutsituationen sogar fördern und begünstigen. Nicht nur die Funktionalität von Institutionen ist entscheidend, sondern auch deren Verfügbarkeit und Transparenz für den einzelnen Adressaten, von mir auch als „institutionelle Ergonomie“ bezeichnet.

(Quelle)
Wohl und Wehe der Gemeingüter: Paradigma oder Tragödie?
Mittwoch, 3. Juni 2015, 18:15 Uhr, Hörsaal N 1 (Muschel)

Der gute Gerret Hardin lässt uns wohl nie los. Silke Helfrich erklärt unermüdlich in ihren Vorträgen, was es damit auf sich hat, und weshalb die „Tragik der Allmende“ sich gar nicht auf eine Allmende, ein Commons, bezieht, sondern eine Abhandelung über Open Access Güter ist. Ab Minute 10:00 geht Silke Helfrich in diesem Videomitschnitt darauf ein:

Der Vortrag ist 3 Jahre alt, und Silkes Art, über Commons zu sprechen, hat sich seit dem weiterentwickelt. Nichts desto weniger finde ich den Vortrag immer noch sehr sehenswert, er war für mich ein Einstieg in die Thematik und hat mich vor ein paar Jahren echt angefixt.

Wer erfahren möchte, was sich da so getan hat, und woran Silke gerade bastelt (ich darf euch mal hier rüber lenken), der möge sich am 11. & 12. Juni nach Frankfurt ins Haus am Dom begeben: Dort gibt es Donnerstag Abend ein Podiumsgespräch mit Silke und zwei mir unbekannten, aber sicherlich spannenden Menschen. Am Freitag schließt sich ein Workshop an, bei dem verschiedene Menschen aus Frankfurt ihre Erfahrungen auf dem „Schwarzmarkt des Wissens“ teilen.
Ich werde mit am Start sein, um euch etwas über Kollektive Selbstverständigung zu erzählen, und freue mich, wenn ihr zahlreich erscheint!

Gemeinschaftsgärten und Wikipedia kennen wohl alle, CC-Lizenzen dürften vielleicht nicht alle kennen, aber doch fast alle schon genutzt haben. Die Welt der Commons (oder Gemeingüter, Allmende) ist vielfältig und wird doch oft übersehen, weil wir zu sehr auf Markt und Staat schauen. Dabei ist das Potential der Commons groß und reicht von der Landwirtschaft über Wissensallmenden und Kulturprojekten bis zur digitalen Welt. Als erste Annäherung ließe sich sagen, dass es um die gemeinschaftliche Nutzung oder Erzeugung von Ressourcen sowie deren Erhalt und Pflege geht. Dabei ist die soziale Praxis (Commoning) rund um die Ressource von besonderer Bedeutung.

Beim Podiumsgespräch am 11. Juni 19:30 Uhr möchten wir das Transformationspotential für Wirtschaft und Gesellschaft, aber auch für das ökonomische Denken erkunden.
Mit: Silke Helfrich, freie Publizistin und Mitbegründerin der Commons Strategies Group, Jena; Prof. Nicole Göler von Ravensburg, Frankfurt University of Applied Sciences; Prof. Nils Goldschmidt, Universität Siegen

Der Workshop am 12. Juni 13 Uhr (ab 12:30 Uhr Einlass) bietet die Möglichkeit tiefer in das Betriebssystems der Commons hineinzuschauen und darüber hinaus die Gelegenheit, viele Commonsprojekte und Commoner aus der Region kennenzulernen. Sie sind herzlich eingeladen, mit uns die Welt der Commons für sich zu entdecken.

Nähere Informationen zur Diskussion am 11. Juni und dem Workshop am 12. Juni finden Sie auf https://hausamdom.bistumlimburg.de/service/kalender.html (im Kalender auf den 11. und 12. Juni gehen und dort auf die Commonsveranstaltung gehen, zum Workshop ist eine Anmeldung erforderlich)

11. Juni 2015 – 19:30 Uhr
Commons – Gemeingüter verändern Wirtschaft und Gesellschaft und uns!?

Podiumsgespräch in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen e.V.
Mit:
Silke Helfrich, freie Publizistin und Mitbegründerin der Commons Strategies Group, Jena;
Prof. Nicole Göler von Ravensburg, Frankfurt University of Applied Sciences; Prof. Nils Goldschmidt, Universität Siegen

12. Juni 2015 – 12:30 bis 17:00 Uhr
Workshop: Commons – Gemeingüter verändern Wirtschaft und Gesellschaft und uns!?

Programm Workshop
bis 12:30 Uhr Anreise, Willkommen
13:00 Uhr Einführung: Silke Helfrich, freie Publizistin und Mitbegründerin der Commons Strategies Group
14:00 Uhr Schwarzmarkt für nützliches Wissen und Unwissen
16:00 Uhr Fishbowl-Diskussion
16:40 Uhr Abschluss
17:00 Uhr Ende und Einladung zum Verweilen und Vernetzen

Eintritt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro

Veranstaltungstipp: Buen Vivir am 29.4. im KUZ Mainz

Hey, ein Veranstaltungstipp, der nicht für übermorgen ist, sondern richtig Vorlauf hat! Das kommt hier selten genug vor.
Ich muss zugeben: Von Alberto Acosta und der Band Grupo Sal habe ich noch nie gehört. Asche auf mein Haupt. Ich habe mich allerdings auch noch nie so wirklich intensiv mit dem Konzept von Buen Vivir – dem Guten Leben – auseinandergesetzt. Nun hoffe ich, beides auf der Veranstaltung im KUZ ändern zu können.
Wenn es euch da vielleicht ähnlich geht, oder ihr wisst wer das ist und diese Menschen gerne mal live erleben und hören möchtet, nutzt die Gelegenheit, kommt am Dienstag, den 29.4. um 20Uhr ins KOZ! Von Eintritt steht da nichts… Dass das nichts heißen muss, wissen wir – lassen wir uns überraschen. Vorbereitend könnte man ja mal einen Text von Silke Helfrich dazu lesen.

Ich zitiere aus dem Programm:

Alberto Acosta, international anerkannter Ökonom und Politiker aus Ecuador, ist der bedeutendste Verfechter des indigenen Konzepts ‚Buen Vivir’ (Gutes Leben). Es propagiert – neben einem Leben im Einklang mit der Natur – eine neue ‚Ethik der Entwicklung’, ein soziales und solidarisches Wirtschaften und eine Veränderung im Lebens- und Politikstil. Als Präsident der verfassungsgebenden Versammlung von Ecuador trug er wesentlich dazu bei, dieses Modell in der neuen ecuadorianischen Verfassung zu verankern und damit der Natur eigene Rechte zuzusprechen. Er hat als Erster den Versuch unternommen, aus dem indigenen Konzept des ‚Buen
Vivir’ politische Leitlinien für die westliche Welt zu entwickeln. Alberto Acosta beschäftigt sich mit den
grundlegenden Überlegungen des Konzeptes vom ‚Guten Leben’. Er entwirft Szenarien einer gerechten Zukunft und stellt sie zur Diskussion.

Grupo Sal setzt seit über 30 Jahren entwicklungs- und umweltpolitische Themen erfolgreich musikalisch und künstlerisch um. Gemeinsam mit prominenten Schauspielern, Schriftstellern, Politikern/Aktivisten, Journalisten und Theologen hat Grupo Sal zahlreiche musikalische Collagen zu brisanten Themen entwickelt. Somit ist Grupo Sal etablierter Akteur und Promoter des kulturellen Dialogs zwischen Nord
und Süd. Inspiriert von indianischen, afrikanischen und europäischen Wurzeln und von den neuesten Entwicklungen multikultureller Szenen der pulsierenden Metropolen, präsentiert Grupo Sal virtuos und leidenschaftlich eine eigenständige Interpretation lateinamerikanischer Musik. Grupo Sal begibt sich mit Alberto Acosta auf eine spannende Entdeckungsreise und macht das Konzept ‚Buen Vivir’ erlebbar.

Gärten und Gemüse – Bericht von der Radtour

Jetzt ist die Zeit, wo mein Garten manchmal einen etwas traurigen Eindruck macht und ich jeden Sonnenstrahl aufsauge – wer weiß, wann das nächste Mal richtig Sonne ist. Die perfekte Zeit also, um an unsere Tagesradtour in und um Darmstadts gemeinschaftlichen Gemüseproduktionsstätten zu erinnern. Spät kommt er, aber er kommt noch! Hier also der Bericht:

In Erwartung eines regnerischen Tages hat sich eine Gruppe von acht Menschen Anfang September in Darmstadt Kranichstein zusammengefunden, um dort unsere kleine Tour zu starten. Wir haben Glück – es nieselt nur zu Beginn ein ganz kleines bisschen, ansonsten bleiben wir weitestgehend trocken! Vier Stationen stehen auf dem Plan: Der Permakulturgarten und die Interkulturellen Gärten in Kranichstein, der Gemeinschaftsgarten am Wagenplatz Klabauta und das Depot der SoLaWi Darmstadt.

Den Permakulturgarten könnte man auch schnell als verwilderte Brachfläche abstempeln und daran vorbeiradeln, denn auf den ersten Blick entspricht das weitläufige Gelände kaum der Vorstellung eines „Gartens“. Aber der Permakulturgarten ist aus verschiedenen Gründen ein besonderer Ort. Das beginnt schon mit dem Zugang, denn der Permakulturgarten kommt – als städtische Auflage – ohne Zaun aus. Jede_r kann sich diesen Ort aneignen, und diese Möglichkeit wird durchaus genutzt. Berenike und ihre Mitgärtner_Innen, die uns herumführen, erzählen von einem alten Herrn, der in Russland aufwuchs und beherzt und routiniert zur Sense griff, als er sah, dass Unterstützung beim Mähen gebraucht wurde. Familien kommen und ernten das Obst, das im Sommer und Herbst an den Bäumen hängt, oder picknicken unter ihren Schatten spendenden Kronen. Jugendliche aus der Umgebung nutzen die Feuerstelle, und die Wildschweine statten dem Garten regelmäßige Besuche ab – nicht immer zum augenscheinlichen Wohl des Gartens. Auch die Pflanzen selbst lassen sich nur eingeschränkt Vorschriften machen. So stehen hier Sträucher an Stellen, an denen sie nicht vorgesehen waren, an die sie sich aber selbst verpflanzt haben, nachdem sie anderswo traurig vor sich hin vegetierten, und „Unkräuter“ sind gern gesehene Gäste zum Anreichern von Salaten.
Was für kontrollverliebte Menschen wie der absolute Horror klingt, ist für die Gruppe rund um den Permakulturgarten eine Möglichkeit, permakulturelle Prinzipien zu üben: Dazu gehört unter anderem zu Beobachten, den Gestaltungsprozess für alle Betroffenen zu öffnen, Vielfalt wertzuschätzen, Selbstregulation in Systemen zu fördern, und zu versuchen allem Lebendigen zu ermöglichen, sich hier zu entfalten. Dieses Übertragen von permakulturellen Prinzipien auf das soziale Gefüge des sehr heterogenen Nutzer_innen-Kreises des Gartens finde ich sehr erfrischend und bereichernd!
Im permakulturellen Garten

Im Permakulturgarten stoßen schon zwei Menschen aus den Interkulturellen Gärten zu unserem Grüppchen dazu. Sie begleiten uns zu unserer nächsten Station. Über Üli entstand der Kontakt, sie führt uns nun mit ihren Mitgärtnerinnen herum. Die Interkulturellen Gärten setzen sich aus 16 Parzellen, einer Gemeinschaftsparzelle und einer großen Rasenfläche zusammen. Bewirtschaftet werden sie von Menschen mit Wurzeln in Afghanistan, Somalia, Algerien, Marokko, Jordanien, Palästina, Irak, Kasachstan, Weißrussland, Ukraine, Chile, Schweiz und Deutschland – die Regel lautet, dass nicht mehr als zwei Parzellen einem Herkunftsland zugeordnet sein dürfen, damit die Interkulturalität gewahrt wird. Es gibt zwei Bauwägen für Geräte und Möbel, einen großen überdachten Tisch für gemeinsame Feste und Picknicks und seit Kurzem auch einen Wasseranschluss. Wir werden durch die Parzellen geführt, in denen Sonnenblumen und Gemüse vor sich hin wuchern. Je nach gärtnernden Menschen geschieht das in geordneten Strukturen oder eher wild und eigensinnig. Ein paar Flächen gehören zum „Kleeblatt“, den Gemeinschaftsgärten der SoLaWi und der Transition Town Initiative Darmstadt. Anschließend kommen wir in der Sitzgruppe zusammen, naschen von den frisch geernteten Tomaten und diskutieren über das Für und Wider von Gemeinschaftlichkeit in solchen Gärten. Denn da gibt es nicht nur Positives zu berichten – die klassischen Fragen „Wer fühlt sich verantwortlich, wer übernimmt Dienste für andere und warum bringen sich manche Menschen nur sehr wenig ein?“ sind auch hier ein Thema und führen manchmal zu Unmut unter denen, die das Gefühl haben mehr zu machen als andere. Eine stärkere Trennung in individuelle Nutzungsflächen wird da verlangt. Was denn daran dann noch gemeinschaftlich sei, und ob das die einzige Lösung sein kann, lautet unsere Gegenfrage.
Interkulturelle GärtenInterkulturelle Gärten

Nach solch intensiven Diskussionen, und vielen Impressionen aus zwei Gärten sind wir zeitlich ein bisschen in Verzug und ganz schön hungrig! Schnell gehts weiter zum Wagenplatz Klabauta, wo wir uns in die gemütlichen Sofas kuscheln und erstmal ein großes Buffet auftischen. Frisches Gemüse, vielfältige Aufstriche, Oliven, Brote und süße Backwaren, ein paar Salate. Omnomnom!
Mhhh lecker!Mehr Futter!

So gut gestärkt können wir uns mit neuer Energie dem nächsten Gemeinschaftsgarten widmen. Reinhold, der ihn ins Leben gerufen hat und maßgeblich betreut, erwartet uns schon. Er hat eine Freie Ausbildung zum demeter-Gärtner gemacht und bewirtschaftet nach diesen Prinzipien die große Fläche. Diese liegt direkt am Wagenplatz und gehörte einem älteren Ehepaar. Jetzt bauen hier 15 Menschen mit unterschiedlich viel Vorkenntnissen und unterschiedlich viel Zeiteinsatz gemeinschaftlich Gemüse an. Denen, die mit ihm hier gärtnern, möchte Reinhold gerne viel von seinem Wissen mitgeben. Es scheint ein ertragreicher Sommer gewesen zu sein, auf einer Plane stapeln sich Berge von Hokkaido-Kürbissen und riesenhafte Zucchinis. Auf den Hügelbeeten wachsen Lauch, Bohnen, rote Beete und vieles mehr, in hinteren Teil des Areals steht eine Bienenweide. Reinhold erzählt uns auch von seinem nächsten Projekt, das schon in den Startlöchern steht: Auf dem Lindenhof in Ober-Ramstadt soll eine CSA (Community Supported Agriculture) entstehen. (Warum manche den englischen Begriff nutzen und manche das deutsche SoLaWi (Solidarische Landwirtschaft) verstehe ich noch nicht ganz, manchmal werden die Bezeichnungen synonym verwendet, manchmal scheint es einen Unterschied im Verständnis zu geben.) Bald soll es losgehen und es gibt viele Pläne und Ideen. Bei Reinholds Energie wage ich nicht zu zweifeln, ob er sie auch alle umsetzen kann. Das Gemüse würde er auch nach Frankfurt liefern. Da bin ich etwas skeptisch, andererseits gibt es im Moment in Frankfurt kaum eine Alternative. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es mit dem Projekt weitergeht!
Im Gemeinschaftsgarten Gemüsekisten auf Klabauta

Leicht verspätet schwingen wir uns auf unsere Räder und radeln in die Darmstädter Innenstadt, vorbei am Blaskapellenumzug der Kerb, durch die Gassen des Martinsviertels rüber zur Verteilstation der Darmstädter Solidarischen Landwirtschaft, wo wir unsere Tour abschließen werden. Hier in einem ungeheizten Seitenraum des Hoffart-Theaters ist zwar kein Platz für Vollversammlungen aller 40 Mitglieder. Dafür findet das jeden Dienstag von Bauer Arno angelieferte Gemüse hier genug Platz und bleibt frisch, bis es von den SoLaWilern meist per Fahrrad selbstorganisiert abgeholt wird. Heute ist der Raum aufgeräumt und leer, das Gemüse wurde von den Mitgliedern bereits abgeholt, dienstags kommt die nächste Lieferung. Von der Initiatorin Ev Bischof bekommen wir eine kleine Einführung in die Organisation der örtlichen SoLaWi-Gruppe, die sich mit dem Birkenhof in Egelsbach zusammengetan hat. Zwar wird dieser Hof nicht im strikten Sinne biologisch bewirtschaftet, für die Beteiligten bietet er aber eine Reihe von Vorteilen: Echte Regionalität statt Bio aus Neuseeland oder Pseudoregionalität aus dem Supermarkt, persönlicher Kontakt zum Erzeuger, ein vielfältiger Hof statt Marktspezialisierung, etc. Die Gemüsevielfalt wird im Depot gefeiert: An den Wänden der Verteilstation hängen große Fotos vom Hof und von lustig gewachsenem Gemüse, das man in einem Supermarkt so nie finden würde. Es gibt ein paar Infos zum Depot-Dienst, den die Mitglieder übernehmen, und eine Tauschkiste für Gemüse, das man nicht mag oder nicht braucht, und das man anderen zur Verfügung stellen möchte. Für solche Hinweise und Lösungen interessiere ich mich immer ganz besonders, denn häufig entwickeln die Gruppen tolle Ideen, die ihren Bedürfnissen entsprechen.
Verteilpunkt der SoLaWi DarmstadtKiste

Danach waren wir alle angenehm angefüllt von den Eindrücken, den vielen vielen Infos, den Diskussionen und dem Herumgeradel in und um Darmstadt. Ein Teil der Gruppe hat den Tag noch mit einem Tee bei einer der TeilnehmerInnen ausklingen lassen. Insgesamt war die Aktion für mich eine tolle runde Sache, vor allem auch dafür, dass sie so spontan organisiert wurde. Ich hoffe, dass wir das bald wiederholen können, Projekte gibt es genug, und eine solche Radtour regt dazu an, die eigene Umgebung näher kennenzulernen und Projekte, die man nicht kannte, zu entdecken, sich zu vernetzen und sich gegebenenfalls selbst einzubringen.
An dieser Stelle möchte ich nochmal allen Menschen sehr herzlich danken, die sich die Zeit genommen haben, uns ihre Projekte vorzustellen, unsere vielen Fragen zu beantworten und uns an den schönen und den schwierigen Seiten ihrer Gärten teilhaben zu lassen! :) Es war toll bei euch!

PS: Ich hoffe, dass ich solche Lösungen, Mechanismen und „Stigs“ (siehe Stigmergie auf keimform.de), wie wir sie im Depot der SoLaWi und anderswo auf der Radtour gesehen haben, in Zukunft vermehrt sammeln werden kann. Angefangen habe ich damit bereits auf Commonopolis.de. Wenn ihr auch ein Foto, Video oder Text zu praktischer Selbstorganisation beitragen möchtet, dann meldet euch dort an, oder schickt mir diese gerne, und ich trage sie dann ein.

Prinzipiensache.

Wir hatten auf dem ersten Flyer für den Stammtisch stehen: „Wieso funktioniert Wikipedia?“. Irgendwann sprach mich eine Teilnehmerin vom Feministischen Stammtisch darauf an, wie wir denn behaupten könnten, die Wikipedia „funktioniere“? Diese sei durch und durch sexistisch, wenn das Commoning sei, wolle sie damit nichts zu tun haben. Mir war damals die Problematik noch nicht bewusst, und ich habe mich daraufhin ein bisschen eingelesen. Ich musste ihr Recht geben.

Gleicher Schauplatz, anderes Beispiel. Bei Kleinerdrei erschien heute der Artikel Ihr Name ist Chelsea. Die Autorin kritisiert den Umgang der Wikipedia-Autoren mit Chelsea Mannings Transidentität. Sie bezieht sich darin auf Sue Gardner, Executive Director der Wikipedia:

[Diese] sieht durch die Strukturen der Wikipedia, deren Editor_innen in der Mehrzahl männlich, weiß, heterosexuell und cis seien, einen blinden Fleck bei Gender-Themen, der – ganz entgegen der üblichen Vorgehensweisen und Ansichten in Wikipedia-Entscheidungen und Diskussionen – dazu führt, dass etwa bei der Manning-Diskussion nach einen diffusen Gefühl (s.o. “Esoterik”, “Pseudowissenschaft”) und nicht nach existierender Expertise über Transgeschlechtlichkeit entschieden würde. […]
Doch würde ich heute sagen “Ich gehe jetzt da rein und ändere Chelsea Mannings Artikel!” hätte dies keinen Effekt – meine Änderungen würden als die eines “Newbie” ohnehin bei einer Überprüfung mit hoher Wahrscheinlichkeit abgelehnt. Was ein sinnvolles System ist, um etwa zu verhindern, dass Artikel beschönigt und Kritisches gelöscht wird, führt bei unausgewogenen Strukturen zum Stillstand, es wird undurchlässig für Neue und Neues.[…]
Die Regeln sagen, ihr müsst weiterhin Bradley Manning schreiben? Dann sind die Regeln vielleicht einfach falsch. Dann müssen sie geändert werden.

„Regeln“, „Strukturen“, „System“ – meine Bekannte lag richtig: Hier geht es wirklich nicht nur um den Umgang mit Trans*, hier geht es vor allem auch um Commoning. Und wie damals, als sie mich auf die Sexismusproblematik der Wikipedia hinwies, beschleicht mich ein unangenehmes Gefühl. Wenn sich die Commoners selbst ihre Regeln geben, wenn sie selbst bestimmen wer Teil des Commons ist und wer nicht, dann kann das auch zu gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit führen. Oder? Können wir sicherstellen, dass Menschen respektvoll miteinander umgehen, dass Commoning zu einem Guten Leben für alle führt, dass Commons nicht vor allem ausgrenzen, sondern einschließen? Können wir Werte mit Commons verknüpfen?

Ich habe meine Frage in die diesjährige Sommerschule mitgenommen. Daraus entspann sich eine sehr interessante Diskussion, nachzuvollziehen auf dem Wiki der Sommerschule, deren Ergebnis war, dass es überhaupt nicht zielführend ist, über Werte zu sprechen! Denn Werte können verschieden ausgelegt werden, sie werden von der Gesellschaft, von Individuen, Parteien oder anderen Kräften mit Inhalt gefüllt. Festgemacht haben wir das am Beispiel Verteilungsgerechtigkeit. Das ist ein Wert, der in den Commonsdebatten häufig auftaucht. Gemeint ist damit meistens: Bedürfnisorientierung, ich nehme so viel wie ich brauche. Verteilungsgerechtigkeit taucht aber auch in der Marktwirtschaft auf, und meint meistens: Äquivalententausch, ich bekomme so viel wie ich gegeben habe.
Also sind es gar nicht die Werte, sondern die Prinzipien die dahinter stecken, die mir Sorgen bereiten? Zitat aus unserer Diskussion:

These: Vielleicht sorgen die Prinzipien erst im zweiten Schritte für (normativ gute) Werte. Sie entwickeln sich es erst mit der Zeit.
Beispiel: Es folgt nicht zwingend Nachhaltigkeit aus den Commons-Regeln. Aber die Prinzipien/Muster können Nachhaltigkeit im zweiten Schritt ermöglichen. […]
These2: Werte sind aus Prinzipien erzeugte Maßstäbe, nach denen wir messen / beurteilen können, ob wir ein Gutes Leben haben.

Hui, das war für mich ein ziemlicher Aha-Moment. Aus dem sich allerdings viele weitere Fragen ergeben.
Was sind die Prinzipien die ein Gutes Leben für alle ermöglichen? Das muss doch noch über Elinor Ostroms Designprinzipien hinausgehen! Reden wir über sowas wie das Ubuntu-Prinzip? Welche anderen Prinzipien gehören dazu? Wenn die Kleinerdrei-Autorin schreibt „Dann sind die Regeln vielleicht einfach falsch. Dann müssen sie geändert werden.“, frage ich mich, wie Prinzipien und Regeln zusammenhängen. Sind Regeln das, was für die Anwendung von Prinzipien sorgt?

Wenn das stimmt, dann muss in der Wikipedia erstmal eine grundsätzliche Debatte darüber geführt werden, nach welchem Prinzip dort Artikel verfasst und Diskussionen geführt werden sollen. Denn einfach nur die Regeln ändern – das bringt doch nichts… oder doch? Können Menschen durch die Anwendung von Regeln solche Prinzipien erlernen?

Also da habe ich noch eine Menge Gesprächsbedarf. Vielleicht wäre das ja auch mal ein Thema für den nächsten Stammtisch?

Gärten und Gemüse – Sonntagsradeln rund um Darmstadt!

Jedes Commons ist einzigartig.
Das ist einer der Gründe, weshalb es so viel Spaß macht, Projekte zu besuchen! Welche Regeln wurden getroffen, wie funktionieren selbsterklärende Zeichensysteme, welche kreative Lösungen wurden für ein Problem gefunden? Wie werden die Ressourcen sozial- und umweltbereichernd genutzt? Welche Atmosphäre hat das Projekt, und daraus abgeleitet: Was brauche ich um mich wohl zu fühlen? Und: Welche Projekte gibt es in meiner Umgebung, die ich noch gar nicht kannte, oder von denen ich mal gehört habe, die ich aber noch nie kennenlernen konnte?

Diesen Sonntag: Mitfahren!
Wir möchten euch einladen, ein paar Projekte in und um Darmstadt kennenzulernen! Los geht’s in Mainz mit dem Zug, und ab Darmstadt dann mit unseren Rädern. Wir werden ungefähr fünf Stationen rund um das Thema Landwirtschaft und Gärtnern besuchen, u.a. verschiedene Projekte der Solidarischen Landwirtschaft, mehrere Gemeinschaftsgärten und einige andere Projekte. Der zeitliche Rahmen umfasst ca. 6-8 Stunden.

Ja wir wollen mitcommon!
Wer gerne dabei sein möchte, möge sich doch bitte bis spätestens Freitag Abend verbindlich unter commons.stammtisch(ät)yahoo.de anmelden. Wir schreiben euch dann mit allen Details zurück.
Verbindlich deshalb, weil wir als die Organisierenden und auch die Menschen, die sich für uns Zeit nehmen werden, einschätzen möchten, wie groß die Gruppe sein wird.

Wir freuen uns schon sehr auf diesen Tag, an dem wir alle viele interessierte Menschen und spannende Projekte kennenlernen können!

It’s the Commons! Ein Lied, das man öfter mal singen sollte.

The Commons, a song by David Rovics

First you told us only through you could we know God
And if we dared to question, then He wouldn‘t spare the rod
For you we worked the soil, for you we dug the moors
For you we shed our blood and fought so many pointless wars
And now you build your fences and you say there’s nothing we can do
You say the world around us belongs fairly to the few
But about six billion people, no doubt will agree
This world is our home, not your property

It’s the commons, our right of birth
And you who would enclose the land all around the Earth
Our future is your downfall, when we cut this ball and chain
You who‘d sacrifice the public good for your private gain

With our sweat we built the railroads, built cities on these shores
But because you own the money, you say that it’s all yours
We laid the phone lines and the pipelines and then right before our eyes
You say the things our taxes paid for you now will privatize
Privatize the hospitals, privatize the schools
Privatize the prisons for all those who break your rules
And preparing for the day, when all the wells run dry
You say you own the very rain that falls down from the sky

But it’s the commons, our right of birth
And you who‘d own the water all around the Earth
Our future is your downfall, when we cut this ball and chain
You who‘d sacrifice the public good for your private gain

You claim to own the harvest with your terminator seeds
You claim to own the genomes of every animal that breeds
You claim to own our culture and the music that we play
And with each song that we download to your coffers we must pay
You would even own my name and you say it’s for the best
Maybe you‘ll let us on your radio if our songs can pass your test
You own country, you own western, you say you‘ve given us a choice
You may own the airwaves but you‘ll never own my voice

It’s the commons, our right of birth
And you who‘d own the music all around the Earth
Our future is your downfall, when we cut this ball and chain
You who‘d sacrifice the public good for your private gain

David Rovic’s website