SoLaWi Frankfurt – 2 Veranstaltungshinweise!

In Frankfurt macht sich gerade eine Gruppe Menschen auf den Weg, eine SoLaWi zu gründen. Und auch, wenn die Initiative noch recht jung ist, hat sie schon ein paar Veranstaltungskooperationen im Angebot.

Das ist einmal eine Vorführung des – hier auf dem Blog bereits verlinkten und sehr sehenswerten – Dokufilms „Die Strategie der krummen Gurken“. Ihr seid herzlich eingeladen, am Dienstag, den 18. März um 19:00 Uhr in den Bewegungsraum des Nachbarschaftszentrums Ginnheim (Ginnheimer Hohl 14 (Hinterhaus), 60431 Frankfurt) zu kommen. Um Anmeldung wird gebeten, damit die Kapazitäten ungefähr eingeschätzt werden können: kontakt@transition-town-frankfurt.de
In Darmstadt wird er übrigens auch von der dortigen SoLaWi gezeigt, und zwar am 12. März in der Bessunger Knabenschule.

Und dann wird es am Samstag, den 29. März von 9:00 – 15:30 Uhr einen größeren Infotag am Dottenfelder Hof in Bad Vilbel geben. Mit einem Vortrag von Klaus Strüber vom Hof Hollergraben, Infos zur Frankfurter SoLaWi-Initiative und Kleingruppen im Anschluss. Hier gibts den Flyer (PDF) zur Veranstaltung, Anmelden kann man sich unter info@demeter-hessen.de
Die Frankfurter Solawistas freuen sich, wenn ihr dabei seid!

Veranstaltungstipp: Buen Vivir am 29.4. im KUZ Mainz

Hey, ein Veranstaltungstipp, der nicht für übermorgen ist, sondern richtig Vorlauf hat! Das kommt hier selten genug vor.
Ich muss zugeben: Von Alberto Acosta und der Band Grupo Sal habe ich noch nie gehört. Asche auf mein Haupt. Ich habe mich allerdings auch noch nie so wirklich intensiv mit dem Konzept von Buen Vivir – dem Guten Leben – auseinandergesetzt. Nun hoffe ich, beides auf der Veranstaltung im KUZ ändern zu können.
Wenn es euch da vielleicht ähnlich geht, oder ihr wisst wer das ist und diese Menschen gerne mal live erleben und hören möchtet, nutzt die Gelegenheit, kommt am Dienstag, den 29.4. um 20Uhr ins KOZ! Von Eintritt steht da nichts… Dass das nichts heißen muss, wissen wir – lassen wir uns überraschen. Vorbereitend könnte man ja mal einen Text von Silke Helfrich dazu lesen.

Ich zitiere aus dem Programm:

Alberto Acosta, international anerkannter Ökonom und Politiker aus Ecuador, ist der bedeutendste Verfechter des indigenen Konzepts ‚Buen Vivir’ (Gutes Leben). Es propagiert – neben einem Leben im Einklang mit der Natur – eine neue ‚Ethik der Entwicklung’, ein soziales und solidarisches Wirtschaften und eine Veränderung im Lebens- und Politikstil. Als Präsident der verfassungsgebenden Versammlung von Ecuador trug er wesentlich dazu bei, dieses Modell in der neuen ecuadorianischen Verfassung zu verankern und damit der Natur eigene Rechte zuzusprechen. Er hat als Erster den Versuch unternommen, aus dem indigenen Konzept des ‚Buen
Vivir’ politische Leitlinien für die westliche Welt zu entwickeln. Alberto Acosta beschäftigt sich mit den
grundlegenden Überlegungen des Konzeptes vom ‚Guten Leben’. Er entwirft Szenarien einer gerechten Zukunft und stellt sie zur Diskussion.

Grupo Sal setzt seit über 30 Jahren entwicklungs- und umweltpolitische Themen erfolgreich musikalisch und künstlerisch um. Gemeinsam mit prominenten Schauspielern, Schriftstellern, Politikern/Aktivisten, Journalisten und Theologen hat Grupo Sal zahlreiche musikalische Collagen zu brisanten Themen entwickelt. Somit ist Grupo Sal etablierter Akteur und Promoter des kulturellen Dialogs zwischen Nord
und Süd. Inspiriert von indianischen, afrikanischen und europäischen Wurzeln und von den neuesten Entwicklungen multikultureller Szenen der pulsierenden Metropolen, präsentiert Grupo Sal virtuos und leidenschaftlich eine eigenständige Interpretation lateinamerikanischer Musik. Grupo Sal begibt sich mit Alberto Acosta auf eine spannende Entdeckungsreise und macht das Konzept ‚Buen Vivir’ erlebbar.

Gärten und Gemüse – Bericht von der Radtour

Jetzt ist die Zeit, wo mein Garten manchmal einen etwas traurigen Eindruck macht und ich jeden Sonnenstrahl aufsauge – wer weiß, wann das nächste Mal richtig Sonne ist. Die perfekte Zeit also, um an unsere Tagesradtour in und um Darmstadts gemeinschaftlichen Gemüseproduktionsstätten zu erinnern. Spät kommt er, aber er kommt noch! Hier also der Bericht:

In Erwartung eines regnerischen Tages hat sich eine Gruppe von acht Menschen Anfang September in Darmstadt Kranichstein zusammengefunden, um dort unsere kleine Tour zu starten. Wir haben Glück – es nieselt nur zu Beginn ein ganz kleines bisschen, ansonsten bleiben wir weitestgehend trocken! Vier Stationen stehen auf dem Plan: Der Permakulturgarten und die Interkulturellen Gärten in Kranichstein, der Gemeinschaftsgarten am Wagenplatz Klabauta und das Depot der SoLaWi Darmstadt.

Den Permakulturgarten könnte man auch schnell als verwilderte Brachfläche abstempeln und daran vorbeiradeln, denn auf den ersten Blick entspricht das weitläufige Gelände kaum der Vorstellung eines „Gartens“. Aber der Permakulturgarten ist aus verschiedenen Gründen ein besonderer Ort. Das beginnt schon mit dem Zugang, denn der Permakulturgarten kommt – als städtische Auflage – ohne Zaun aus. Jede_r kann sich diesen Ort aneignen, und diese Möglichkeit wird durchaus genutzt. Berenike und ihre Mitgärtner_Innen, die uns herumführen, erzählen von einem alten Herrn, der in Russland aufwuchs und beherzt und routiniert zur Sense griff, als er sah, dass Unterstützung beim Mähen gebraucht wurde. Familien kommen und ernten das Obst, das im Sommer und Herbst an den Bäumen hängt, oder picknicken unter ihren Schatten spendenden Kronen. Jugendliche aus der Umgebung nutzen die Feuerstelle, und die Wildschweine statten dem Garten regelmäßige Besuche ab – nicht immer zum augenscheinlichen Wohl des Gartens. Auch die Pflanzen selbst lassen sich nur eingeschränkt Vorschriften machen. So stehen hier Sträucher an Stellen, an denen sie nicht vorgesehen waren, an die sie sich aber selbst verpflanzt haben, nachdem sie anderswo traurig vor sich hin vegetierten, und „Unkräuter“ sind gern gesehene Gäste zum Anreichern von Salaten.
Was für kontrollverliebte Menschen wie der absolute Horror klingt, ist für die Gruppe rund um den Permakulturgarten eine Möglichkeit, permakulturelle Prinzipien zu üben: Dazu gehört unter anderem zu Beobachten, den Gestaltungsprozess für alle Betroffenen zu öffnen, Vielfalt wertzuschätzen, Selbstregulation in Systemen zu fördern, und zu versuchen allem Lebendigen zu ermöglichen, sich hier zu entfalten. Dieses Übertragen von permakulturellen Prinzipien auf das soziale Gefüge des sehr heterogenen Nutzer_innen-Kreises des Gartens finde ich sehr erfrischend und bereichernd!
Im permakulturellen Garten

Im Permakulturgarten stoßen schon zwei Menschen aus den Interkulturellen Gärten zu unserem Grüppchen dazu. Sie begleiten uns zu unserer nächsten Station. Über Üli entstand der Kontakt, sie führt uns nun mit ihren Mitgärtnerinnen herum. Die Interkulturellen Gärten setzen sich aus 16 Parzellen, einer Gemeinschaftsparzelle und einer großen Rasenfläche zusammen. Bewirtschaftet werden sie von Menschen mit Wurzeln in Afghanistan, Somalia, Algerien, Marokko, Jordanien, Palästina, Irak, Kasachstan, Weißrussland, Ukraine, Chile, Schweiz und Deutschland – die Regel lautet, dass nicht mehr als zwei Parzellen einem Herkunftsland zugeordnet sein dürfen, damit die Interkulturalität gewahrt wird. Es gibt zwei Bauwägen für Geräte und Möbel, einen großen überdachten Tisch für gemeinsame Feste und Picknicks und seit Kurzem auch einen Wasseranschluss. Wir werden durch die Parzellen geführt, in denen Sonnenblumen und Gemüse vor sich hin wuchern. Je nach gärtnernden Menschen geschieht das in geordneten Strukturen oder eher wild und eigensinnig. Ein paar Flächen gehören zum „Kleeblatt“, den Gemeinschaftsgärten der SoLaWi und der Transition Town Initiative Darmstadt. Anschließend kommen wir in der Sitzgruppe zusammen, naschen von den frisch geernteten Tomaten und diskutieren über das Für und Wider von Gemeinschaftlichkeit in solchen Gärten. Denn da gibt es nicht nur Positives zu berichten – die klassischen Fragen „Wer fühlt sich verantwortlich, wer übernimmt Dienste für andere und warum bringen sich manche Menschen nur sehr wenig ein?“ sind auch hier ein Thema und führen manchmal zu Unmut unter denen, die das Gefühl haben mehr zu machen als andere. Eine stärkere Trennung in individuelle Nutzungsflächen wird da verlangt. Was denn daran dann noch gemeinschaftlich sei, und ob das die einzige Lösung sein kann, lautet unsere Gegenfrage.
Interkulturelle GärtenInterkulturelle Gärten

Nach solch intensiven Diskussionen, und vielen Impressionen aus zwei Gärten sind wir zeitlich ein bisschen in Verzug und ganz schön hungrig! Schnell gehts weiter zum Wagenplatz Klabauta, wo wir uns in die gemütlichen Sofas kuscheln und erstmal ein großes Buffet auftischen. Frisches Gemüse, vielfältige Aufstriche, Oliven, Brote und süße Backwaren, ein paar Salate. Omnomnom!
Mhhh lecker!Mehr Futter!

So gut gestärkt können wir uns mit neuer Energie dem nächsten Gemeinschaftsgarten widmen. Reinhold, der ihn ins Leben gerufen hat und maßgeblich betreut, erwartet uns schon. Er hat eine Freie Ausbildung zum demeter-Gärtner gemacht und bewirtschaftet nach diesen Prinzipien die große Fläche. Diese liegt direkt am Wagenplatz und gehörte einem älteren Ehepaar. Jetzt bauen hier 15 Menschen mit unterschiedlich viel Vorkenntnissen und unterschiedlich viel Zeiteinsatz gemeinschaftlich Gemüse an. Denen, die mit ihm hier gärtnern, möchte Reinhold gerne viel von seinem Wissen mitgeben. Es scheint ein ertragreicher Sommer gewesen zu sein, auf einer Plane stapeln sich Berge von Hokkaido-Kürbissen und riesenhafte Zucchinis. Auf den Hügelbeeten wachsen Lauch, Bohnen, rote Beete und vieles mehr, in hinteren Teil des Areals steht eine Bienenweide. Reinhold erzählt uns auch von seinem nächsten Projekt, das schon in den Startlöchern steht: Auf dem Lindenhof in Ober-Ramstadt soll eine CSA (Community Supported Agriculture) entstehen. (Warum manche den englischen Begriff nutzen und manche das deutsche SoLaWi (Solidarische Landwirtschaft) verstehe ich noch nicht ganz, manchmal werden die Bezeichnungen synonym verwendet, manchmal scheint es einen Unterschied im Verständnis zu geben.) Bald soll es losgehen und es gibt viele Pläne und Ideen. Bei Reinholds Energie wage ich nicht zu zweifeln, ob er sie auch alle umsetzen kann. Das Gemüse würde er auch nach Frankfurt liefern. Da bin ich etwas skeptisch, andererseits gibt es im Moment in Frankfurt kaum eine Alternative. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es mit dem Projekt weitergeht!
Im Gemeinschaftsgarten Gemüsekisten auf Klabauta

Leicht verspätet schwingen wir uns auf unsere Räder und radeln in die Darmstädter Innenstadt, vorbei am Blaskapellenumzug der Kerb, durch die Gassen des Martinsviertels rüber zur Verteilstation der Darmstädter Solidarischen Landwirtschaft, wo wir unsere Tour abschließen werden. Hier in einem ungeheizten Seitenraum des Hoffart-Theaters ist zwar kein Platz für Vollversammlungen aller 40 Mitglieder. Dafür findet das jeden Dienstag von Bauer Arno angelieferte Gemüse hier genug Platz und bleibt frisch, bis es von den SoLaWilern meist per Fahrrad selbstorganisiert abgeholt wird. Heute ist der Raum aufgeräumt und leer, das Gemüse wurde von den Mitgliedern bereits abgeholt, dienstags kommt die nächste Lieferung. Von der Initiatorin Ev Bischof bekommen wir eine kleine Einführung in die Organisation der örtlichen SoLaWi-Gruppe, die sich mit dem Birkenhof in Egelsbach zusammengetan hat. Zwar wird dieser Hof nicht im strikten Sinne biologisch bewirtschaftet, für die Beteiligten bietet er aber eine Reihe von Vorteilen: Echte Regionalität statt Bio aus Neuseeland oder Pseudoregionalität aus dem Supermarkt, persönlicher Kontakt zum Erzeuger, ein vielfältiger Hof statt Marktspezialisierung, etc. Die Gemüsevielfalt wird im Depot gefeiert: An den Wänden der Verteilstation hängen große Fotos vom Hof und von lustig gewachsenem Gemüse, das man in einem Supermarkt so nie finden würde. Es gibt ein paar Infos zum Depot-Dienst, den die Mitglieder übernehmen, und eine Tauschkiste für Gemüse, das man nicht mag oder nicht braucht, und das man anderen zur Verfügung stellen möchte. Für solche Hinweise und Lösungen interessiere ich mich immer ganz besonders, denn häufig entwickeln die Gruppen tolle Ideen, die ihren Bedürfnissen entsprechen.
Verteilpunkt der SoLaWi DarmstadtKiste

Danach waren wir alle angenehm angefüllt von den Eindrücken, den vielen vielen Infos, den Diskussionen und dem Herumgeradel in und um Darmstadt. Ein Teil der Gruppe hat den Tag noch mit einem Tee bei einer der TeilnehmerInnen ausklingen lassen. Insgesamt war die Aktion für mich eine tolle runde Sache, vor allem auch dafür, dass sie so spontan organisiert wurde. Ich hoffe, dass wir das bald wiederholen können, Projekte gibt es genug, und eine solche Radtour regt dazu an, die eigene Umgebung näher kennenzulernen und Projekte, die man nicht kannte, zu entdecken, sich zu vernetzen und sich gegebenenfalls selbst einzubringen.
An dieser Stelle möchte ich nochmal allen Menschen sehr herzlich danken, die sich die Zeit genommen haben, uns ihre Projekte vorzustellen, unsere vielen Fragen zu beantworten und uns an den schönen und den schwierigen Seiten ihrer Gärten teilhaben zu lassen! :) Es war toll bei euch!

PS: Ich hoffe, dass ich solche Lösungen, Mechanismen und „Stigs“ (siehe Stigmergie auf keimform.de), wie wir sie im Depot der SoLaWi und anderswo auf der Radtour gesehen haben, in Zukunft vermehrt sammeln werden kann. Angefangen habe ich damit bereits auf Commonopolis.de. Wenn ihr auch ein Foto, Video oder Text zu praktischer Selbstorganisation beitragen möchtet, dann meldet euch dort an, oder schickt mir diese gerne, und ich trage sie dann ein.

Solidarische Landwirtschaft – Filmchen

In den letzten Wochen habe ich mich häufig mit Solidarischer Landwirtschaft beschäftigt. Im Moment schreibe ich an dem Bericht unserer Radtour durch Darmstadts selbstorganisierte Gemüseproduktionsstätten, danach werde ich euch von der Forschungsarbeit einiger Frankfurter Soziologiestudenten berichten. Bis dahin möchte ich euch auf diesen kurzen Fernsehbeitrag hinweisen, der mich gerade erreicht hat. Gezeigt wird u.a. die neue Mainzer Solawi – die haben offenbar ganz schön schnell einen Bauern gefunden! Ich kenne eine SoLaWi, deren vorzeitiges Ende / Zwangspause maßgeblich daran hing, dass sie sich zu schnell mit einem Bauern zusammengetan hat, und so wünsche ich den Mainzern, dass das für alle Beteiligte eine fruchtbare Verbindung wird und lange bleibt!
Den Film findet ihr in der ARD-Mediathek. Viel Spaß damit!

Commonsprojekte in Rhein-Main

Es passiert ein bisschen was in der Region! Hier stelle ich euch vor, was mir in den letzten Tagen so begegnet ist:

Solidarische Landwirtschaft in Mainz

Ende August fand eine Veranstaltung von demeter in Mainz zum Thema „Neue Städter braucht das Land“ statt. Es gab drei Vorträge, unter anderem von Jan-Hendrik Cropp, der in Witzenhausen eine Solidarische Landwirtschaft mitbetreibt und einer der Autoren auf keimform.de ist. Einen ähnlichen Vortrag gibt es hier zum Nachhören und -sehen. Nach der anschließenden Diskussion fand sich eine Gruppe von Menschen zusammen, die eine Solidarische Landwirtschaft in Mainz gründen wollen. Ich zitiere mal vom Blog des Mainzer Gemeinschaftsgartens Freine Krume:

Es gibt seit September 2013 eine Gruppe, die in Mainz eine Solidarische Landwirtschaft aufbauen möchte. Etwa alle 2-3 Wochen gibt es donnerstags um 20 Uhr ein Treffen, das nächste ist für den 7. November geplant. Bei Interesse bitte melden unter: solawi-mz@lists.riseup.net oder 0176-39334943.

Wissensweitergabe – Perspektiven auf die Krise Filmreihe

Die Mainzer Wissensweitergabe lebt wieder auf! Die Initiative ist ein schönes Commons aus der Region: Hier werden selbstorganisiert Wissen und Fähigkeiten geteilt, jede_r kann etwas beitragen und anderen mitgeben, alle können teilnehmen, und das kostenlos. Und wie wir seit der Economics and the Commons Conference im Mai wissen: Every Commons is a Knowledge Commons!
Nun werden Filmvorführungen organisiert, die sich kritisch mit verschiedenen Perspektiven auf den Neoliberalismus auseinandersetzen. Der letzte Film ist einer über ein Vorzeige-Commons: Die venezolanische Kooperative Cecosesola. Entstanden aus einem selbstorganisierten Beerdingungsinstitut ist Cecosesola

heute ein Netzwerk von rund 50 Kooperativen und Basisorganisationen im nordwestlich gelegenen venezolanischen Bundesstaat Lara. Insgesamt hat das Netzwerk rund 20 000 Mitglieder. Gut 1200 arbeiten in Vollzeit in einer der Kooperativen oder für den Dachverband selbst. Dafür erhalten sie einen wöchentlichen Pro-Kopf-Vorschuss auf das erwartete wirtschaftliche Gesamtergebnis des jeweiligen Jahres. Die Kooperativen bieten zum Beispiel Gesundheitsleistungen und Kredite, produzieren Lebensmittel und verkaufen sie auf ihren kooperativen Wochenmärkten. Auch das ­Beerdigungsinstitut existiert noch. (Quelle: Oya)

Die anderen Filme kenne ich alle nicht, sie sind mit Sicherheit aber ebenfalls sehr sehenswert. Das vollständige Programm, und Infos was wo stattfindet, gibts auf dem Blog der Wissensweitergabe.

Frankfurter Beete

Der Blog Frankfurter Beete berichtet über Gemeinschaftsgärten in Frankfurt und ist meine Entdeckung der Woche! Der aktuelle Beitrag beschreibt zum Beispiel einen Besuch beim Griesheimer Bahnhöfsgärtchen. Von einigen der beschrieben Gärten hatte ich noch gar nicht gehört, und so ist der Blog eine tolle Informationsquelle, wie ich finde!

Diese Stadt gehört schon längst nicht mehr uns

Prinzipiensache.

Wir hatten auf dem ersten Flyer für den Stammtisch stehen: „Wieso funktioniert Wikipedia?“. Irgendwann sprach mich eine Teilnehmerin vom Feministischen Stammtisch darauf an, wie wir denn behaupten könnten, die Wikipedia „funktioniere“? Diese sei durch und durch sexistisch, wenn das Commoning sei, wolle sie damit nichts zu tun haben. Mir war damals die Problematik noch nicht bewusst, und ich habe mich daraufhin ein bisschen eingelesen. Ich musste ihr Recht geben.

Gleicher Schauplatz, anderes Beispiel. Bei Kleinerdrei erschien heute der Artikel Ihr Name ist Chelsea. Die Autorin kritisiert den Umgang der Wikipedia-Autoren mit Chelsea Mannings Transidentität. Sie bezieht sich darin auf Sue Gardner, Executive Director der Wikipedia:

[Diese] sieht durch die Strukturen der Wikipedia, deren Editor_innen in der Mehrzahl männlich, weiß, heterosexuell und cis seien, einen blinden Fleck bei Gender-Themen, der – ganz entgegen der üblichen Vorgehensweisen und Ansichten in Wikipedia-Entscheidungen und Diskussionen – dazu führt, dass etwa bei der Manning-Diskussion nach einen diffusen Gefühl (s.o. “Esoterik”, “Pseudowissenschaft”) und nicht nach existierender Expertise über Transgeschlechtlichkeit entschieden würde. […]
Doch würde ich heute sagen “Ich gehe jetzt da rein und ändere Chelsea Mannings Artikel!” hätte dies keinen Effekt – meine Änderungen würden als die eines “Newbie” ohnehin bei einer Überprüfung mit hoher Wahrscheinlichkeit abgelehnt. Was ein sinnvolles System ist, um etwa zu verhindern, dass Artikel beschönigt und Kritisches gelöscht wird, führt bei unausgewogenen Strukturen zum Stillstand, es wird undurchlässig für Neue und Neues.[…]
Die Regeln sagen, ihr müsst weiterhin Bradley Manning schreiben? Dann sind die Regeln vielleicht einfach falsch. Dann müssen sie geändert werden.

„Regeln“, „Strukturen“, „System“ – meine Bekannte lag richtig: Hier geht es wirklich nicht nur um den Umgang mit Trans*, hier geht es vor allem auch um Commoning. Und wie damals, als sie mich auf die Sexismusproblematik der Wikipedia hinwies, beschleicht mich ein unangenehmes Gefühl. Wenn sich die Commoners selbst ihre Regeln geben, wenn sie selbst bestimmen wer Teil des Commons ist und wer nicht, dann kann das auch zu gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit führen. Oder? Können wir sicherstellen, dass Menschen respektvoll miteinander umgehen, dass Commoning zu einem Guten Leben für alle führt, dass Commons nicht vor allem ausgrenzen, sondern einschließen? Können wir Werte mit Commons verknüpfen?

Ich habe meine Frage in die diesjährige Sommerschule mitgenommen. Daraus entspann sich eine sehr interessante Diskussion, nachzuvollziehen auf dem Wiki der Sommerschule, deren Ergebnis war, dass es überhaupt nicht zielführend ist, über Werte zu sprechen! Denn Werte können verschieden ausgelegt werden, sie werden von der Gesellschaft, von Individuen, Parteien oder anderen Kräften mit Inhalt gefüllt. Festgemacht haben wir das am Beispiel Verteilungsgerechtigkeit. Das ist ein Wert, der in den Commonsdebatten häufig auftaucht. Gemeint ist damit meistens: Bedürfnisorientierung, ich nehme so viel wie ich brauche. Verteilungsgerechtigkeit taucht aber auch in der Marktwirtschaft auf, und meint meistens: Äquivalententausch, ich bekomme so viel wie ich gegeben habe.
Also sind es gar nicht die Werte, sondern die Prinzipien die dahinter stecken, die mir Sorgen bereiten? Zitat aus unserer Diskussion:

These: Vielleicht sorgen die Prinzipien erst im zweiten Schritte für (normativ gute) Werte. Sie entwickeln sich es erst mit der Zeit.
Beispiel: Es folgt nicht zwingend Nachhaltigkeit aus den Commons-Regeln. Aber die Prinzipien/Muster können Nachhaltigkeit im zweiten Schritt ermöglichen. […]
These2: Werte sind aus Prinzipien erzeugte Maßstäbe, nach denen wir messen / beurteilen können, ob wir ein Gutes Leben haben.

Hui, das war für mich ein ziemlicher Aha-Moment. Aus dem sich allerdings viele weitere Fragen ergeben.
Was sind die Prinzipien die ein Gutes Leben für alle ermöglichen? Das muss doch noch über Elinor Ostroms Designprinzipien hinausgehen! Reden wir über sowas wie das Ubuntu-Prinzip? Welche anderen Prinzipien gehören dazu? Wenn die Kleinerdrei-Autorin schreibt „Dann sind die Regeln vielleicht einfach falsch. Dann müssen sie geändert werden.“, frage ich mich, wie Prinzipien und Regeln zusammenhängen. Sind Regeln das, was für die Anwendung von Prinzipien sorgt?

Wenn das stimmt, dann muss in der Wikipedia erstmal eine grundsätzliche Debatte darüber geführt werden, nach welchem Prinzip dort Artikel verfasst und Diskussionen geführt werden sollen. Denn einfach nur die Regeln ändern – das bringt doch nichts… oder doch? Können Menschen durch die Anwendung von Regeln solche Prinzipien erlernen?

Also da habe ich noch eine Menge Gesprächsbedarf. Vielleicht wäre das ja auch mal ein Thema für den nächsten Stammtisch?

Gärten und Gemüse – Sonntagsradeln rund um Darmstadt!

Jedes Commons ist einzigartig.
Das ist einer der Gründe, weshalb es so viel Spaß macht, Projekte zu besuchen! Welche Regeln wurden getroffen, wie funktionieren selbsterklärende Zeichensysteme, welche kreative Lösungen wurden für ein Problem gefunden? Wie werden die Ressourcen sozial- und umweltbereichernd genutzt? Welche Atmosphäre hat das Projekt, und daraus abgeleitet: Was brauche ich um mich wohl zu fühlen? Und: Welche Projekte gibt es in meiner Umgebung, die ich noch gar nicht kannte, oder von denen ich mal gehört habe, die ich aber noch nie kennenlernen konnte?

Diesen Sonntag: Mitfahren!
Wir möchten euch einladen, ein paar Projekte in und um Darmstadt kennenzulernen! Los geht’s in Mainz mit dem Zug, und ab Darmstadt dann mit unseren Rädern. Wir werden ungefähr fünf Stationen rund um das Thema Landwirtschaft und Gärtnern besuchen, u.a. verschiedene Projekte der Solidarischen Landwirtschaft, mehrere Gemeinschaftsgärten und einige andere Projekte. Der zeitliche Rahmen umfasst ca. 6-8 Stunden.

Ja wir wollen mitcommon!
Wer gerne dabei sein möchte, möge sich doch bitte bis spätestens Freitag Abend verbindlich unter commons.stammtisch(ät)yahoo.de anmelden. Wir schreiben euch dann mit allen Details zurück.
Verbindlich deshalb, weil wir als die Organisierenden und auch die Menschen, die sich für uns Zeit nehmen werden, einschätzen möchten, wie groß die Gruppe sein wird.

Wir freuen uns schon sehr auf diesen Tag, an dem wir alle viele interessierte Menschen und spannende Projekte kennenlernen können!